Präsenzveranstaltung

Thema:
Das Seminar muss im SoSe 2020 entfallen, wird aber im WS 2020/21 erneut angeboten.

Literatur und Katastrophe: das Erdbeben von Lissabon (1755)

Adressatenkreis:
BA KuWi: Modul L3; Modul L6; MA EuMo: Modul 7L;
Ort:
Berlin
Adresse:
Regionalzentrum Berlin
Termin:
25.09.2020 bis
26.09.2020
Zeitraum:
Fr. 25.09.2020 von 16–20 Uhr,
Sa. 26.09.2020 von 10–16 Uhr.
Leitung:
Carolin Blumenberg
Anmeldefrist:
11.09.2020
Auskunft erteilt:
E-Mail: Carolin Blumenberg , Telefon: +49 2331 987-2519
E-Mail: Christoph Düchting , Telefon: +49 2331 987-2119

(Achtung: Sollte wegen der Corona-Krise ein Präsenzseminar immer noch nicht möglich sein, wird es ein Online-Angebot geben und dieses Seminar auf das Frühjahr verschoben)

Das Blockseminar untersucht literarische und philosophische Antworten auf eine Naturkatastrophe, die zu einem europäischen Medienereignis wurde: das große See- und Erdbeben, das im November 1755 die portugiesische Hafenstadt Lissabon zerstörte und weite Teile Europas sowie Nordafrikas erschütterte. Die damalige Rezeption der Katastrophen-Nachrichten fand vor dem Hintergrund metaphysischer und theologischer Grundannahmen zur göttlichen Vorsehung statt, die ihren Ausdruck etwa in Gottfried W. Leibniz‘ Theodicée (1710) sowie in Alexander Popes Lehrgedicht An Essay on Man (1733/34) gefunden hatten. Inwiefern diese Grundannahmen durch jenes Ereignis erschüttert wurden, oder ob das Erdbeben erst rückblickend zu einer Metapher für Erschütterungen ganz anderer Art avancierte, ist eine bis heute umstrittene Frage.

Im Seminar werden wir zunächst das Problem der Vorsehung und der Theodizee rekonstruieren und dann verschiedene Reaktionen auf das Erdbeben untersuchen. Dabei soll der Fokus auf Voltaires „Gedicht über die Katastrophe in Lissabon“ (1756) und auf seiner Satire Candide oder der Optimismus (1759) liegen, sowie auf Kants Aufsätzen zum Erdbeben (1756) und Rousseaus Antwort auf Voltaire im „Brief über die Vorsehung“ (18.08.1756). Anhand unterschiedlicher Forschungsarbeiten lassen sich außerdem aktuelle Perspektiven auf den Streitfall des Erdbebens von 1755 vergleichen, um so einige Grundfragen der Philosophie und Literaturwissenschaft zu diskutieren.

Christoph Düchting | 16.06.2020