Präsenzveranstaltung

Thema:
Literatur und Kultur um 1968
Veranstaltungstyp:
Präsenzveranstaltung
Adressatenkreis:
BA KuWi: Modul L3; Modul L5; MA EuMo: Modul 4L;
alle Interessierten
Ort:
Karlsruhe
Adresse:
Regionalzentrum Karlsruhe
Termin:
07.12.2018 bis
08.12.2018
Zeitraum:
Fr. 07.12.2018 16:00-20:00 Uhr
Sa. 08.12.2018 10:00-18:00 Uhr
Leitung:
Prof. Dr. Uwe Steiner
Anmeldefrist:
14.11.2018
Auskunft erteilt:
E-Mail: Prof. Dr. Uwe Steiner , Telefon: +49 2331 987-2517
E-Mail: Leyla Pektas (Sekretariat) , Telefon: +49 2331 987-4882

In diesem Jahr ist das fünfzigjährige Jubiläum von „1968“ begangen worden, und das, wie sollte es anders sein, kontrovers. Kam es damals zu einer Fundamentalliberalisierung der alten Bundesrepublik, oder stürmte eine neo-autoritäre Bewegung die Hörsäle und Straßen? Ein halbes Jahrhundert, das bezeichnet eine quasi magische, aber auch eine ganz reale Schwelle: Welche Signifikanz besitzt die Zäsur, besitzen Studentenbewegung, kulturelle Revolution und politische Umsturzphantasien heute für die politische und kulturelle Geschichte der Bundesrepublik? Was geschah real, wo liegt nachträgliche Mythisierung vor? Noch jetzt, fünfzig Jahre später, kann leidenschaftlich gestritten werden, ob „1968“ ein annus mirabilis oder ein annus miserabilis bezeichnet. Der Streit liegt sicherlich auch im generationenbedingten Übergang vom sozialen ins kulturelle Gedächtnis begründet. Aber nicht erst jetzt zeigt sich, dass die gelebte Erfahrung der Akteure durch die vermittelte Erinnerung der Nachgeborenen ersetzt wird. Schon unmittelbar nach den Ereignissen setzt die Reflexion der Ereignisse in Literatur und Medien ein und reißt bis heute nicht ab. Überhaupt hat sich das Jahr 1968 erst später, um 1980 herum, zum Symbol der damaligen Kulturkämpfe etabliert.

Aus der Perspektive von Literatur fällt es ohnehin schwer, eine klare Grenze zwischen gelebter und gedeuteter Erfahrung ziehen. Historische Zäsuren können auch dadurch entstehen, dass man sie behauptet. Auf diese Weise gilt in jedem Fall, dass die Jahre 1967-1969 markante, euphorisch oder schmerzlich erfahrene Einschnitte bedeuten, die bis heute nachzuwirken scheinen. Die Präsenzveranstaltung möchte sich mit literarischen, medialen und kulturellen Zeugnissen befassen, in denen „1968“ meist aus der zeitlichen Distanz reflektiert wird. Eine zentrale Rolle nimmt dabei der Film von Edgar Reitz: „Die Zeit der vielen Worte“ ein (Folge 12 aus der Serie „Die zweite Heimat. Chronik einer Jugend“, 1992) ein. Des Weiteren beschäftigen wir uns mit erzählenden Texten von Hermann Lenz und Uwe Timm, in denen es um 1968 geht, ferner mit geschichtswissenschaftlichen und soziologischen Perspektiven auf die Zeitenwende.

Voraussetzung für die Teilnahme ist die gründliche Lektüre der Texte, ferner die Übernahme eines einführenden Referats/Statements von ca. 10 Minuten. Absprachen sind schon jetzt willkommen!

Auf dem Programm stehen voraussichtlich die folgenden Werke:

  • Edgar Reitz: Die zweite Heimat. Chronik einer Jugend, Folge 12: „Die Zeit der vielen Worte“. (Drehbuch: E.R.: Die zweite Heimat. Chronik einer Jugend in 13 Büchern, München 1993, S. 813-896; antiquarisch erhältlich. Der Film ist als DVD zugänglich und soll zumindest in den wichtigsten Passagen gemeinsam im Seminar angeschaut werden.)
  • Uwe Timm: Rot. Roman, München 2008 (erstmals 2001).
  • Hermann Lenz: Der Tintenfisch in der Garage. Erzählung, Frankfurt a. M. 1980 (erstmals 1977).

Einige der Texte und Textausschnitte werden rechtzeitig in einem elektronischen Reader zugänglich gemacht werden.

Literaturhinweise:

  • Kursbuch 11-15, 1968. Hg. v. Hans Magnus Enzensberger, Nachdruck Frankfurt a. M. 2008.
  • Norbert Frei: 1968. Jugendrevolte und globaler Protest, München 2008.
  • Götz Aly: Unser Kampf. 1968 – ein irritierter Blick zurück, Frankfurt a. M. 22012.
  • Wolfgang Kraushaar: Achtundsechzig. Eine Bilanz, Berlin 2008.
  • Ders.: Die blinden Flecken der 68er-Bewegung, Stuttgart 2018.
  • Armin Nassehi: Gab es 1968? Eine Spurensuche, Hamburg 2018.
  • Wolfgang Eßbach: Politik, Style und die minoritäre Bewegung. Gedanken zum Nachleben von „1968“, in: Walburga Hülk/ Nicole Pöppel/ Georg Stanitzek: Bohème nach ´68, Berlin 2015, S. 39-54.
  • Panajotis Kondylis: Der Niedergang der bürgerlichen Denk- und Lebensform. Die liberale Moderne und die massendemokratische Postmoderne, Berlin 32010, Kap. IV.4: „Charakter und Wirkungen der Kulturrevolution der 1960er und 1970er Jahre“, S. 226-238.
Leyla Pektas | 28.11.2018