Präsenzveranstaltung

Thema:
!!!FÄLLT AUS!!! Grimmelshausens Courasche und ihre Rezeption in der Literatur des 20. Jahrhunderts (Brecht, Grass)
Veranstaltungstyp:
Präsenzveranstaltung
Adressatenkreis:
BA KuWi: Modul L5; MA EuMo: Modul 5L;
weitere Interessierte
Ort:
Stuttgart
Adresse:
Regionalzentrum Stuttgart
Termin:
16.11.2018 bis
17.11.2018
Zeitraum:
Fr, 16.11.2018 15:00-18:30 Uhr
Sa, 17.11.2018 09:00-17:00 Uhr
Leitung:
Dr. Irmtraud Hnilica
Auskunft erteilt:
E-Mail: Dr. Irmtraud Hnilica , Telefon: +49 2331 987-2519

DIE PRÄSENZVERANSTALTUNG FÄLLT AUS!

Grimmelshausens um 1670 entstandener Schelmenroman Trutz Simplex oder Lebensbeschreibung der Ertzbetrügerin und Landstörtzerin Courasche stellt als zweiter Teil des Simplicianischen Zyklus‘ und als Seitenstück zum Simplicissimus Teutsch die Ich-Erzählung der zumeist Courasche genannten Libuschka dar. Movens ist die Verärgerung der Courasche über ihre Darstellung im ersten Band des Simplicianischen Zyklus. Dort berichtet Simplicissimus im Kontext der sogenannten Sauerbrunnen-Episode von der Bekanntschaft mit einer „schönen Dame“ – der Courasche – die „mehr mobilis als nobilis“, also sexuell umtriebig gewesen sein soll. Simplicissimus profitiert von der Aufgeschlossenheit der Courasche, um ihr diese dann zum Vorwurf zu machen. Genau dagegen, so die Fiktion, schreibt Courasche nun an. So entsteht einer der faszinierendsten Romane der frühen Neuzeit, dessen Diskussion im Zentrum des Seminars stehen soll.

Indem Grimmelshausen das Verhältnis der Geschlechter problematisiert und weibliche Sexualität als Ort spezifischer Verwundbarkeit darstellt, bestellt er nicht zuletzt dem bürgerlichen Trauerspiel das Feld. Zugleich aber steht die mitunter derbe Figur der Courasche so quer zur Tugendethik des 18. Jahrhunderts, dass ihr eigentliches literarisches Nachleben erst im 20. Jahrhundert wieder einsetzen kann. Mit Brechts Mutter Courage und ihre Kinder und Günter Grass‘ Das Treffen in Telgte nehmen wir im Seminar zwei moderne Couraschevarianten in den Blick und untersuchen die Umschriften, die Brecht und Grass jeweils gegenüber der Vorlage vornehmen.

Studierende, die Interesse daran haben, das Seminar mit einem Referat zu bereichern, sind herzlich dazu eingeladen. Bitte wenden Sie sich zur Absprache an die Seminarleiterin.

Literatur zur Vorbereitung:

Im Vorfeld des Seminars sind die drei Primärtexte gründlich zu lesen. Dabei wird empfohlen, auf die Reclam-Ausgabe der Courasche zurückzugreifen; Das Treffen in Telgte liegt als dtv-Taschenbuch vor, Mutter Courage und ihre Kinder ist bei Suhrkamp erschienen.

Forschungstexte zur Vorbereitung:

Hermina Joldersma und Elke Wickert: Moraldidaktik, Erzählform und Autorintention in Grimmelshausens Landstörzerin Courasche, in: The Germanic Review Fall 1989, 64/4, S. 158-166.

Dirk Niefanger: Erzählweisen der Gewalt im XII. Kapitel von Grimmelshausens Courasche, in: Simpliciana XXXI (2009), S. 209-225.

Ulrike Zeuch: Verführung als die wahre Gewalt? Weibliche Macht und Ohnmacht in Grimmelshausens ‚Courasche‘ und ‚Simplicissimus‘, in: Simpliciana XXXI (2009), S. 143-160.

Leyla Pektas | 28.11.2018