Wie Frauen Geburt erleben und deuten

Sarah Eckardt hat in ihrer Promotion an der FernUniversität in Hagen die Geburt aus soziologischer Sicht betrachtet.


Portrait einer Frau Foto: Susanne Knebel, Fotografie
Sarah Eckardt hat die Geburt in ihrer Promotion aus soziologischer Sicht betrachtet.

Sarah Eckardt hat in ihrer Promotion an der FernUniversität in Hagen die Geburt aus soziologischer Sicht betrachtet. Im ersten Teil ihres Projekts nahm sie eine kulturelle Deutung und Einordnung vor. Auf dieser Basis führte sie im zweiten Teil problemzentrierte Interviews mit Frauen, jeweils sechs Wochen vor und nach der Geburt.

Wie erleben Frauen Geburten?

Frauen deuten Geburt als unbekanntes Phänomen. Sie suchen nach Strukturen und Praktiken, um mit dem Unbekannten umgehen. Deswegen bereiten sie sich vor und nähern sich zum Beispiel durch einen Geburtsvorbereitungskurs an. Zwischen den Vorstellungen der Frauen und dem konkreten Erleben von Geburt gibt es ein Spannungsfeld. Selbstbestimmung spielt in der öffentlichen Diskussion über Geburtshilfe eine wichtige Rolle. Der Begriff passt für die befragten Frauen aber nicht. Auch gesellschaftliche Erwartungen grenzen die Selbstbestimmung ein.

Die unbekannte Geburt

  • Titel der Dissertation: Die unbekannte Geburt. Subjektivierungsweisen von gebärenden Frauen im Spannungsfeld von individuellen Praxen und öffentlichem Diskurs.
  • Bewertung: summa cum laude

Was bedeutet das für die Praxis?

Die Geburt ist ein soziales Ereignis, dass viele Menschen in Aushandlung miteinander gestalten. Die gebärende Frau, das Kind, aber auch Partner, Hebammen sowie Ärztinnen und Ärzte sind daran beteiligt. Die gute Geburt ist eine, die menschlich gut begleitet wird. Die Auswertung der Interviews hat ergeben, dass einige Gebärende nicht so viele Entscheidungen treffen möchten und sich mehr Anleitung wünschen, auch nach der Geburt. Das ist wichtiges Wissen für Hebammen und Ärzte.

Wie geht es mit Ihrer Forschung zur Geburt weiter?

Die Hebammenwissenschaft lässt mich nicht los. Ein Schwerpunkt meiner zukünftigen Forschung wird die Konstruktion von Weiblichkeit und Geburt sein. Insbesondere interessiert mich die Frage sein, wie Gefühle der anderen in sozialen Prozessen reguliert werden können, unter anderem bei der Geburt, aber zum Beispiel auch bei Bahnreisenden.

Carolin Annemüller | 18.03.2020