Ingo Stieglitz

Bösartigen Datenpfaden auf der Spur


Ein Mann hält eine Urkunde in der Hand: Für seine Master-Arbeit wurde Ingo Stieglitz  auf der „International Conference on Cyber Conflict“ der Nato in Tallinn ausgezeichnet.
Für seine Master-Arbeit wurde Ingo Stieglitz auf der „International Conference on Cyber Conflict“ der Nato in Tallinn ausgezeichnet. (Foto: NATO CCDCOE)
  • Name: Ingo Stieglitz
  • Wohnort: Nürnberg

  • Beruf: IT-Administrator im IT-Dienstleistungszentrum des Freistaats Bayern
  • Studium und Abschlüsse an der FernUni: Informatik, M.Sc. Informatik


Es klingt wie Science Fiction, ist aber Realität: Cyber-Kriminalität, Angriffe von Hackern auf IT-Systeme. Sie erfolgen lautlos, wirken allerdings verheerend. Wo sind die Schwachstellen im Netzwerk? An welchen Punkten setzen die Eindringlinge an?

Ingo Stieglitz (33) hat sich in seiner Masterarbeit an der FernUniversität in Hagen mit „Malicious Traceroute Detection“ befasst. Für seine Arbeit hat der 33-jährige Informatik-Student als erster Deutscher auf der „International Conference on Cyber Conflict (CyCon)“ der Nato in Tallinn den „Student Award“ gewonnen.

Virtuelle Kriminalität

Nato-Tagung, IT-Sicherheit, Tallinn – das klingt nach spannenden Erfahrungen. „Das war es absolut“, berichtet Stieglitz, der zu der viertägigen Konferenz Ende Mai reiste und sein Thema präsentierte. „Da waren Techniker, Rechtsanwälte, Politiker und Diplomaten aus den verschiedensten Ländern. Die Tage waren voll mit Vorträgen, Reden und Workshops.“

Die estländische Hauptstadt ist Sitz eines von 20 Kompetenzzentren der Nato und kümmert sich um die Abwehr von Cyber-Angriffen. Das Nato Cooperative Cyber Defence Center of Excellence (CCDOE) erforscht politische, juristische und technische Aspekte virtueller Kriminalität.

Masterarbeit im Ausland

Als Stieglitz im Frühjahr 2015 nach einem Thema suchte, sollte es für ihn um IT-Sicherheit gehen. Dieser Schwerpunkt hatte sich im Laufe seines Studiums Master of Computer Science an der FernUni herauskristallisiert. Über das Lehrgebiet Parallelität + VLSI von Prof. Dr. Jörg Keller kam Ingo Stieglitz an eine externe Ausschreibung, die durch das Fraunhofer-Institut für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie (FKIE) und das Nato-CCDCOE betreut wurde.

Mehr noch: „Ich wollte auf das Fachwissen der Kollegen in Tallinn zugreifen und hatte aus sicherheitstechnischen Gründen auch nur vor Ort Zugriff auf die Daten des Centers. Deshalb war klar, dass ich die komplette Abschlussarbeit in Tallinn schreiben würde.“ Dafür hatte Stieglitz, der für die Abschlussphase als Vollzeitstudent eingeschrieben war, drei Monate Zeit.

Für die Phase im Ausland bewarb er sich – mit Unterstützung durch das Team Internationales der FernUniversität – erfolgreich um ein Promos-Stipendium des Deutschen Akademischen Auslandsdienstes (DAAD).

Ein Mann steht am Redepult: Ingo Stieglitz trägt sein Thema vor.
Ingo Stieglitz bei seinem Vortrag

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Cyberverteidigung

Ingo Stieglitz profitierte von dem „geballten Wissen über Cyberverteidigung“ um ihn herum in Estland. „Die Ausgangsthese lautete, dass Hacker Netzwerke, die sie angreifen wollen, vorher ausspionieren. Die Frage war, ob man dieses Auskundschaften grundsätzlich erkennen kann.“ Man kann. „Verräterisch sind etwa ungewöhnliche Befehle, die sich häufen.“

IT-Sicherheit ist kein Thema, mit dem der Nürnberger beruflich in Berührung kommt. Seine Ausbildung und sein Erststudium hat Stieglitz an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege im bayerischen Hof absolviert. Der Diplom-Verwaltungsinformatiker arbeitet inzwischen als Administrator für Storage, SAN und NAS im Bayerischen Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung.

Für die Zeit in Tallin sparte er Urlaubstage zusammen und baute geleistete Überstunden ab. „Das klappte dank eines sehr entgegenkommenden Dienstherren und netten Kollegen.“

Teamwork fürs Fachpraktikum

Vor fünf Jahren beschlich Stieglitz das Gefühl, sich verstärkt wissenschaftlich mit Themen aus der Informatik beschäftigen zu wollen. Er informierte sich und blieb schnell beim Studienangebot der FernUniversität hängen: „Es erschien mir flexibel, unabhängig und kostenmäßig überschaubar.“ Aufgenommen hat er das Studium in Hagen „aus reinem Interesse und Spaß am Lernen“.

Bis zum Master-Titel wird es für Stieglitz nun nicht mehr lange dauern. Als letzte Station absolviert er ein Fachpraktikum in Teilzeit und von Zuhause aus, bei dem es eine Teamaufgabe zu lösen gilt: Bei der fiktiven Fusion zweier Unternehmen müssen die beiden IT-Abteilungen die unterschiedlichen Systeme zusammenführen.

Promotionsstudium

Dabei spielt auch die IT-Sicherheit eine Rolle. „Ohne die FernUni wäre ich mit dem Thema nicht auf die ,CyCon‘ gekommen“, spielt er nochmal auf die Konferenz an. Ingo Stieglitz möchte sich in jedem Fall weiterhin wissenschaftlich damit auseinandersetzen – „eventuell über ein Promotionsstudium“. Es ist also nicht vorbei mit der FernUniversität in Hagen. Auch das Nato-CCDOE will ihn zukünftig unterstützen.

Stand: September 2016