Auf dem Weg nach Tokio

Hockey-Nationalspieler Johannes Große (23) aus Köln bereitet sich auf die Olympischen Sommerspiele in Japan vor. In den Mittagspausen studiert er Informatik an der FernUniversität in Hagen. Das macht den Kopf frei für das nächste Training.


ein Mann beim Hockey Foto: RW Köln
Mit seinem Klub RW Köln holte Johannes Große im Frühjahr den Deutschen Meistertitel an den Rhein.

Wir erreichen Johannes Große zu Hause in Köln. Der Hockey-Nationalspieler kommt gerade vom Vormittagstraining am Olympiastützpunkt Rheinland. Fitness und Athletik, Kraftraum und Hockey: Der 23-Jährige steckt mittendrin in der Vorbereitung auf die Olympischen Sommerspiele in Tokio. Zwischen den Einheiten treibt Große in den Mittagspausen sein Informatikstudium an der FernUniversität in Hagen voran. Denn auch im Olympia-Jahr hat er in der nächsten Prüfungsphase im September Klausuren eingeplant. „Mein Studium hilft mir, den Kopf frei zu bekommen“, sagt er mit Blick auf das nächste Training am Abend.

Sein Fernstudium plant er um das tägliche Sportprogramm herum. Studienbriefe und Lernmaterialien hat er auf seinem Laptop mit dabei, auch im Trainingslager und bei Turnieren. „Diese Flexibilität ist für mich die einzige Möglichkeit, mein Studium mit dem Leistungssport zu kombinieren und mich für meine berufliche Laufbahn nach dem Sport vorzubereiten“, sagt Große.

Deutscher Meister und Vize-Europameister

Aktuell dreht sich vor der Abreise nach Japan alles um Hockey, aber das war eigentlich auch schon in seiner Kindheit und Jugend so. Der gebürtige Berliner stammt aus einer hockeyverrückten Familie. Und so hielt Johannes Große bereits als Dreijähriger seinen ersten Schläger in der Hand. Er ist immer zielstrebig am Ball geblieben. Von Berlin über Hamburg wechselte er zu seinem aktuellen Klub RW Köln, mit dem er in dieser Saison Deutscher Meister wurde. Der nächste Titel ließ nicht lange auf sich warten.

Große ist einer der Youngsters in der Hockey-Nationalmannschaft. Er rückte 2017 ins Team und feierte jetzt in der Vorbereitung auf Tokio den Titel als Vize-Europameister. Olympia soll der bisherige Höhepunkt seiner Sportkarriere werden. „Ein Kindheitstraum geht für mich in Erfüllung. Darauf trainiere ich seit Jahren hin“, sagt Große. „Daher bin ich sehr froh, dass die Spiele trotz Corona überhaupt stattfinden.“

Portrait eines Mannes Foto: Ariane Schirle / DHA

Die Flexibilität an der FernUniversität ist für mich die einzige Möglichkeit, mein Studium mit dem Leistungssport zu kombinieren und mich für meine berufliche Laufbahn nach dem Sport vorzubereiten.

Johannes Große, Hockey-Natioanlspieler

Deutsches Team spielt um Medaille

Deutschland will als einstige Top-Nation im Hockey zurück zu alter Stärke finden und nach einer Medaille greifen. „Sportlich erwarte ich ein Turnier auf höchstem Niveau, da die Spiele für jeden Sportler das Größte sind und sich alle dementsprechend vorbereiten“, sagt Große, der im Moment mehrere Stunden täglich hart trainiert. Wie beim Eishockey wird auch im Feldhockey innerhalb der Mannschaft alle drei bis vier Minuten durchgewechselt, so dass alle Spieler beim olympischen Turnier zu ihren Einsätzen kommen werden.

Etwas betrübt ist Johannes Große, dass sein sportliches Lebensziel unter den schwierigen Bedingungen einer weltweiten Pandemie ausgetragen wird. „Ich bin sehr gespannt, wieviel olympisches Flair überhaupt aufkommt“, sagt er. „Eröffnungsfeier, Begegnungen mit Teilnehmenden aus anderen Sportarten: Ich kenne das ja bisher nur von Erzählungen und aus dem Fernsehen.“

Breite Grundlage im Bachelor

Während Johannes Große im Sport ein Teamplayer ist, geht er als Einzelkämpfer durchs Fernstudium. Für Präsenztermine und Lerngruppen ist er als Profisportler einfach zu viel unterwegs. Seine Motivation fürs Lernen zieht er daher aus den Inhalten. „Was steckt hinter der Ampelschaltung? Wie programmiere ich ein Computerspiel? Ich möchte wissen, was hinter den Dingen steckt“, erklärt Große, warum er sich für Informatik entschieden hat. „Mir ist es wichtig, mich mit dem Bachelor breit aufzustellen und unterschiedliche Bereiche kennenzulernen.“ Wohin ihn sein Informatikstudium beruflich führen soll, lässt er offen. Die FernUni-Unterlagen werden für alle Fälle sogar mit nach Tokio fliegen, auch wenn er dort vermutlich keine Zeit hat, sich damit zu befassen.

Bisher lief das Jahr 2021 trotz der Corona-Krise für Johannes Große mit dem Titel bei der Deutschen Meisterschaft und der Vize-Europameisterschaft sehr erfolgreich. Eine Medaille bei Olympia könnte das noch toppen. Und gute Ergebnisse bei den Klausuren im September würden zudem für Glanz und Erfolg im Fernstudium sorgen.

Stand Juli 2021

Carolin Annemüller | 05.07.2021